Schweden-Kindergarten erhalten

Eltern, Kinder und Beschäftigte verdienen eine echte Perspektive

Die Zukunft des Schwedenkindergartens bewegt derzeit viele Familien in Espelkamp. Ursprünglich sollte bereits vor der Sommerpause über die Pläne der Verwaltung entschieden werden, den Schwedenkindergarten und die DRK-Kita Sterntaler durch einen gemeinsamen Neubau an der Rundturnhalle zu ersetzen. Nach den zahlreichen Diskussionen und Einwänden wurde die Entscheidung nun zunächst vertagt.

Aus Sicht der SPD ist das die richtige Entscheidung.

Die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie groß die Sorgen vieler Eltern, Mitarbeitenden und Verantwortlichen des Schwedenkindergartens sind. Deshalb haben wir das Gespräch mit Eltern, Beschäftigten und dem Träger gesucht. Dabei wurde deutlich: Die Diskussion ist weit komplexer, als es die ursprünglichen Planungen der Verwaltung vermuten lassen.

Wir unterstützen die Anliegen der Eltern ausdrücklich.

Besonders häufig wurden dabei die Lage des Schwedenkindergartens und das großzügige Außengelände genannt. Der Kindergarten ist fest im Wohnumfeld verankert und verfügt über einen gewachsenen großen Garten, der von den Kindern intensiv genutzt wird. Viele Eltern bezweifeln, dass diese Qualitäten an einem möglichen neuen Standort in gleicher Weise erhalten bleiben können. Diese Sorgen halten wir für nachvollziehbar und berechtigt.

Die Verwaltung begründet ihre Überlegungen vor allem mit sinkenden Kinderzahlen und einer langfristigen Bedarfsplanung. Der neue Standort soll zwischen den bisherigen Einrichtungen räumlich optimal liegen. Geplant ist dort eine viergruppige Kita mit der Option auf eine spätere Erweiterung auf fünf Gruppen.

Die vom Kreisjugendamt vorgestellte Bedarfsplanung basiert auf nachvollziehbaren Annahmen und den rückläufigen Geburtenzahlen der vergangenen Jahre. Gleichzeitig handelt es sich dabei um Prognosen. Wie sich Espelkamp in den kommenden Jahren entwickelt – etwa durch neue Wohngebiete, mögliche Gewerbeansiedlungen oder andere städtebauliche Entwicklungen – lässt sich heute nicht mit letzter Sicherheit vorhersagen. Aus Sicht der SPD sollte deshalb sorgfältig geprüft werden, welche Entscheidungen dauerhaft sinnvoll und welche später kaum noch rückgängig zu machen sind.

Für die SPD stellt sich deshalb die Frage, ob alle Möglichkeiten für den Erhalt des Schwedenkindergartens tatsächlich ernsthaft geprüft wurden.

Denn nach unserem Kenntnisstand liegen bereits seit Jahren Überlegungen des Trägers vor, die Einrichtung am bisherigen Standort zu modernisieren oder neu zu bauen. Statt über diese Option zu sprechen, konzentriert sich die aktuelle Debatte nahezu ausschließlich auf die Schließung der beiden bestehenden Einrichtungen und den Neubau einer einzigen Kita.

Dabei handelt es sich genau genommen nicht um eine Zusammenlegung zweier Kitas, sondern um die Aufgabe zweier gewachsener Einrichtungen zugunsten eines neuen Standorts.

Auch die Auswirkungen auf die Beschäftigten dürfen dabei nicht außer Acht gelassen werden. Zwar richtet sich der Bedarf an pädagogischem Personal grundsätzlich nach den betreuten Kindern und den gebuchten Betreuungsstunden. Dennoch hätte die Aufgabe zweier Einrichtungen organisatorische Folgen, beispielsweise bei Leitungsfunktionen oder weiteren Stellen. Für die SPD ist klar: Gute Kita-Politik muss nicht nur die Interessen von Kindern und Eltern berücksichtigen, sondern auch die der Beschäftigten.

Hinzu kommt, dass die Folgen eines Neubaus bislang keineswegs abschließend geklärt sind. Sowohl die Evangelische Kirchengemeinde als Träger des Schwedenkindergartens als auch das DRK haben signalisiert, eine neue Einrichtung betreiben zu wollen. Wer den Zuschlag erhält, wäre jedoch keineswegs automatisch entschieden. Nach den bisherigen Planungen soll zunächst ein Interessenbekundungsverfahren durchgeführt werden, bevor der Jugendhilfeausschuss des Kreises Minden-Lübbecke über die Trägerschaft entscheidet.

Auch die Standortfrage ist aus unserer Sicht alles andere als geklärt.

Der geplante Neubau soll auf der Fläche der heutigen Rundturnhalle entstehen. Gleichzeitig läuft derzeit das ISEK-Beteiligungsverfahren zur Zukunft des gesamten Quartiers rund um Stadtsporthalle und Kantstraße. Viele Bürgerinnen und Bürger haben dort bereits Ideen für die Nutzung der Flächen eingebracht. Zugleich konnte die Verwaltung bislang nicht überzeugend darlegen, wie die geplante Kita, die erforderlichen Außenflächen und die weiteren Nutzungsansprüche auf dem Gelände tatsächlich untergebracht werden sollen.

Für die SPD ist deshalb keineswegs ausgemacht, dass der vorgesehene Standort überhaupt die beste Lösung für die Zukunft der Kinderbetreuung in diesem Bereich darstellt.

Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, die Situation der DRK-Kita Sterntaler kleinzureden. Im Gegenteil: Das Gebäude ist in die Jahre gekommen, Erweiterungsflächen fehlen und der Wunsch nach modernen Räumlichkeiten ist nachvollziehbar. Gerade deshalb braucht es jetzt eine offene Diskussion über alle denkbaren Lösungen – und nicht nur über eine einzige Variante.

Wir begrüßen daher ausdrücklich, dass die Entscheidung zunächst vertagt wurde und nun weitere Gespräche mit Eltern, Mitarbeitenden und Trägern stattfinden sollen.

Wer den Schwedenkindergarten unterstützen möchte, kann dies auch durch die laufende Petition zum Erhalt der Einrichtung tun. Die große Resonanz zeigt bereits jetzt, wie wichtig der Kindergarten für viele Familien in Espelkamp ist.

Kindertagesstätten sind mehr als Gebäude und Betreuungsplätze. Sie sind gewachsene Gemeinschaften, wichtige Anlaufstellen für Familien und oft über Generationen hinweg prägende Orte eines Stadtteils. Die Eltern, die Beschäftigten und vor allem die Kinder verdienen deshalb eine sorgfältige und ergebnisoffene Prüfung aller Alternativen.

Die SPD wird sich auch weiterhin dafür einsetzen.