Sechs Regenbogenflaggen zerstört oder gestohlen. Fahnenmasten abgesägt. Der Schriftzug „Kein Queer“ an der Fassade. Und nun wurde auch noch das große Transparent „Ein buntes Espelkamp für uns alle“ gestohlen.
Was in den vergangenen Monaten rund um die Aufbaugemeinschaft passiert ist, zeigt: Die Diskussion über sichtbare Zeichen für Vielfalt und Toleranz in Espelkamp ist leider aktueller denn je.
Bereits im Juli hatte die SPD/UA-Fraktion deshalb beantragt, dass die Stadt Espelkamp zu besonderen Anlässen wie dem Christopher Street Day, dem Colorita-Festival oder Sommer auf dem Anger die Regenbogenflagge an städtischen Gebäuden hisst. Auch andere Institutionen und Unternehmen sollten zum Mitmachen eingeladen werden.
Unser Antrag fand im Rat keine Mehrheit.
Seitdem sind die Angriffe weitergegangen.
Nachdem bereits mehrere Flaggen gestohlen oder zerstört worden waren, wurde im Juli ein Fahnenmast der Aufbaugemeinschaft abgesägt und die Fassade mit „Kein Queer“ beschmiert. Im August wurde ein weiterer Mast zerstört.
Die Aufbaugemeinschaft ließ sich davon nicht einschüchtern. Am Centergebäude am Wilhelm-Kern-Platz brachte sie ein großes Transparent in Regenbogenfarben an: „Ein buntes Espelkamp für uns alle“.
Doch auch dieses Zeichen wurde in der Nacht zum 19. September gestohlen.
Für uns bestätigt diese Entwicklung leider, warum wir unseren Antrag gestellt haben.
Eine Regenbogenflagge allein verhindert keine Straftaten. Aber wenn Menschen versuchen, ein sichtbares Zeichen für Vielfalt immer wieder mit Diebstahl und Vandalismus aus dem Stadtbild zu entfernen, darf die Antwort nicht sein, dieses Zeichen irgendwann einfach nicht mehr zu zeigen.
Dann braucht es mehr davon.
Espelkamp ist eine Stadt, in der Menschen mit unterschiedlichen Geschichten, Überzeugungen und Lebensentwürfen zusammenleben. Vielfalt gehört zu unserer Stadtgeschichte und zu unserer Gegenwart.
Deshalb halten wir es weiterhin für richtig, dass auch die Stadt selbst zu besonderen Anlässen sichtbar dafür einsteht.
Unser Antrag hat im Juli keine Mehrheit gefunden. Die Ereignisse seitdem haben unsere Haltung dazu nicht verändert – im Gegenteil.
Wir stehen solidarisch an der Seite der Aufbaugemeinschaft und aller Menschen in Espelkamp, die von Ausgrenzung und Queerfeindlichkeit betroffen sind.
Espelkamp ist bunt. Und das sollte man auch sehen können.



